Cinema Concetta Filmförderung

Aug´ in Aug´ mit T-Rex

 

  • Außergewöhnliche satirische Kurzfilme bei den 
    27. Rüsselsheimer Filmtagen

     
  • Mut der Macher belohnt: Erste Streaming-Auflage erreicht deutlich mehr als 3.000 Zuschauer

 

Rüsselsheim, 20. Juni 2020. Vermutlich ganz von den Socken war der Kontrabassist Ingbert Socke, als er trotz eines virtuosen Probespiels nicht von der Wiener Staatsoper aufgenommen wurde. Immerhin erhielt er so die Hauptrolle beim Siegerfilm der Rüsselsheimer Filmtage 2020, dem ersten Streamingfestival in dessen nun 27-jähriger Tradition. Weil für die Macher von Cinema Concetta in einer Zeit ohne Großveranstaltungen eine Absage nicht in Frage kam, hatten sie sich dafür entschieden, das Festival per Internet zu ihren Fans nach Hause zu senden. 15 Kurzfilme umfasste das Programm, bei dem wie gewohnt die Zuschauer über die drei Preisträger und insgesamt 8.000 Euro Preisgelder abstimmten. Nach dem Start am 5. Juni fand jetzt am Samstag die Siegerehrung statt. Ganz an der Spitze: „Das beste Orchester der Welt“.

 

Im Film von Henning Backhaus mit Ingbert Socke – Nomen ist hier ausdrücklich Omen – haben sich die Dinge hierarchisch, aber nicht moralisch, über den Menschen erhoben. Und sie musizieren im Fall des Strumpfes Ingbert mit dem Kontrabass schier schöner als jeder Mensch. Der Film zeigt, wie mehrere Frauen und Männern beim besten Orchester der Welt aufgenommen werden wollen. Ihr Probespiel findet jeweils verborgen hinter einem Vorhang statt. Das hilft der kleinen Socke, das riesige Instrument auszupacken, einen Hocker zu besteigen und virtuoser über die Saiten zu streichen als der Rest der Bewerber. Doch als der Vorhang fällt, beginnt die gnadenlose Abweisung des hochbegabten Strumpfes. Zunächst durch das menschliche Gremium, dann durch eine herbeigeeilte herzlose weitere Socke – den Generalmusikdirektor – und schließlich durch den Intendanten. Dieser ist eine unnachgiebige sprechende Gabel, die erste an dieser Stelle, nach dem man die Dynastie der Löffel an der Spitze nach 120 Jahren endlich hatte verdrängen können...

 

Begehrt: „Der scharfe Blick“

 

Für den ersten Preis nahm Regisseur Henning Backhaus bei der Siegerehrung am Samstag die ein Auge und einen „Scharfen Blick“ symbolisierende massive Bronzeplastik aus den Händen von Michael Kirchberger virtuell entgegen. Zu der auch als kleiner Oscar des Satirischen Kurzfilms apostrophierten Plastik stellte der Vorsitzende der Stiftung das zugehörige Preisgeld von 5.000 Euro aus den Erträgen des Stiftungskapitals in Aussicht. Der in Dresden geborene Backhaus studierte Regie an der Filmakademie Wien und war von 2013 bis 2018 als Regieassistent an der Wiener Staatsoper quasi zuhause. Zuletzt war er im Tondepartement von Terrence Malicks „A HIDDEN LIFE“ tätig.

 

Beim zweiten Preis, dem Film „Ein fairer Deal“, kann Uhren-Sammler Jan dem Angebot einer funktionierenden Zeitmaschine nicht widerstehen, wohlfeil für ganze 350 Euro. Der im Dachboden des Verkäufers aufbewahrte Apparat sieht jedoch nach Trödel aus, nicht nach High Tech, und eine Funktion scheint ausgeschlossen. Aber die Neugierde auf einen Trip zur Probe ist geweckt, und der Hinweis des Verkäufers „Nur organisches Material wird transportiert“ trifft schon auf taube Ohren. Zurück in die Welt der Dinos wünscht sich der Zeitreisende – und sieht sich plötzlich Aug´ in Aug´mit Tyrannosaurus Rex, der sich sofort über die Mahlzeit hermacht. Der Trödel-Verkäufer leert derweil die Geldbörse des Reisenden und legt dessen Utensilien in die große Truhe, wo schon die Klamotten aller Vorgänger liegen.

 

Von Garry Savenkov, 1991 in der Ukraine geboren und 2004 nach Deutschland immigriert, stammt die Geschichte mit Buch und Regie. Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter studierte er bis 2019 an der Hochschule Offenburg Mediengestaltung und Produktion. Er wurde bei der Siegerehrung von Moritz Führmann vertreten, der die Hauptrolle gespielt hatte - und zu diesem Termin in Rüsselsheim ganz offenbar doch unversehrt zurückfand aus dem Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren. Das Preisgeld, gesponsert von den Stadtwerken Rüsselsheim, beträgt 2.000 Euro. Der mit 1.000 Euro dotierte dritte Preis, gesponsert vom Förderverein Cinema Concetta, wurde „Like and Follow“ unter der gemeinsamen Regie von Tobias Schlage und Brent Forrest zuerkannt, von denen auch das Buch stammt.

 

Wenn das Handy eifersüchtig wird

 

Bewusst gegen Ende nimmt der kurze Animationsstreifen noch einmal rasant an Fahrt auf, wenn lauter Smartphones in ihrem Smartphonekino einem Horrorfilm mit dem Titel „The Boy Who Played Outside“ beiwohnen. Am Anfang nehmen die Autoren Anleihen an bekannten Karikaturen wie Hund geht mit Herrchen spazieren, wenn der Junge an der Leine seines Handys durch die Welt geführt wird. Dieses wird schnell eifersüchtig, wenn ein Kind damit beginnt, seiner Umgebung zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Als der Weg unter einem Baumhaus vorbeiführt, wo Kinder wirklich Kinder sind und spielen, emanzipiert sich der Junge via Strickleiter nach oben und „spielt draußen“ mit. Das ist der Moment, wo im Smartphonekino Heulen und Zähneklappern beginnen.

 

Philipp Engel vom Hessischen Rundfunk, längst bekanntes Gesicht wie vertraute Stimme bei der Siegerehrung, führte wieder die Interviews mit den per Videokonferenz zugeschalteten Preisträgern, und Michael Kirchberger, Vorsitzender der Cinema Concetta Filmförderung, bedankte sich bei den Sponsoren und Förderern - darunter die Stadt Rüsselsheim am Main und Kultur 123, Hessenfilm, Mobilitätspartner Hyundai mit dem Autozentrum Goeres und den Stadtwerken Rüsselsheim sowie – erneut hinzugekommen – der Kultursommer Südhessen. Ebenso bei den zahlreichen Helfern der Filmtage, die wie die Mitglieder der Stiftung und des Fördervereins ehrenamtlich arbeiten und in dieser Saison völlig neue Aufgaben zu lösen hatten. Das begann mit ausgiebigen Debatten darüber, die Filmtage 2020 notgedrungen ausfallen zu lassen, als das Verbot von Großveranstaltungen kam.

 

Aber nicht zuletzt im Hinblick auf rund 100 bereits eingereichte, meist erstklassige Filme wurde über eine Absage nie ernsthaft nachgedacht, sondern eine Streaminglösung entwickelt. Cinema Concetta hat dafür eine Kooperation mit der Stiftung Kulturserver in Berlin begonnen und eine eigene Homepage als Festival-Plattform programmiert. Mit Erfolg, wie sich schnell zeigt. Weit mehr als 3000 Gäste haben das 27. Satire-Film-Festival online besucht. „Das ist ein absoluter Zuschauerrekord“, sagt Kirchberger, „trotzdem hoffen wir, zu den 28. Rüsselsheimer Filmtagen im nächsten Jahr wieder live im Theater Rüsselsheim am Main begrüßen zu können. Wir haben den 18. und 19. Juni eingeplant.“ Das Große Haus des Theaters wird dann wieder an zwei Junitagen im Sommer zum Kino mit Großleinwand, am zweiten Tag hat die Party auf dem Vorplatz seit Jahren Volksfestcharakter.

 

38.000 Besucher sahen fast 500 Filme

 

Bis heute hat die Stiftung über 200.000 Euro an Preisgeldern vergeben, und rund 38.000 Zuschauer haben fast 500 Filme gesehen, darunter solche späterer Oscar- und Bundesfilmpreisträger. Namen wie Thomas Stellmach, Florian Henkel von Donnersmarck, Carsten Strauch oder Dietrich Brüggemann sind zu nennen. Unvergessen freilich bleibt das Ereignis, das zur Gründung des Festivals führte: Martin Kirchberger, Ralf Mailwitz und Klaus Stieglitz fanden im Dezember 1991 mit 25 weiteren Mitgliedern ihres Cinema Concetta-Filmteams beim Absturz eines Flugzeugs den Tod, als in der Kabine gerade allerletzte Szenen für die Satire „Bunkerlow“ gedreht wurden. Die Cinema Concetta Filmförderung hält ebenso die Erinnerung an die verunglückten Künstler wach wie sie mit den Rüsselsheimer Filmtagen dem satirischen Kurzfilm neue Geltung und größere Reichweite verschafft.

 

Bitte besuchen Sie unsere neue Festival-Plattform unter dem  Link:

 

https://satirische-kurzfilme.de

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Liebe Filmemacher!

 

Das Einreichportal für die Rüsselsheimer Filmtage 2020 ist geschlossen. Alle Filme, die nach dem Urteil der Jury Eingang in das Festivalprogramm finden, müssen als Vorführkopie bis zum 25. Mai 2020 bei Cinema Concetta eingehen.

 

Das Einreichportal für die Rüsselsheimer Filmtage 2021 wird ab November 2020 wieder geöffnet.

 

Ansprechpartnerin Doris Andörfer, foerderverein@ruesselsheimer-filmtage.de

Über die Rüsselsheimer Filmtage:

Die Cinema Concetta Filmförderung wurde am 30. September 1992 als Stiftung des bürgerlichen Rechts gegründet. Anlass war ein Flugzeugunglück vom 22. Dezember 1991 am Hohen Nistler bei Heidelberg, bei dem das Cinema Concetta Filmteam Martin Kirchberger, Ralf Malwitz, Klaus Stieglitz und weitere 25 Passagiere während der Dreharbeiten zu ihrem Film "Bunkerlow" ums Leben kamen. Um das Andenken an die Opfer zu wahren sowie ähnliche Filmarbeiten mit weitestgehend satirischem Inhalt zu fördern, riefen Freunde und Angehörige des Filmteams die Stiftung Cinema Concetta Filmförderung ins Leben. 1994 fanden erstmals die Rüsselsheimer Filmtage statt, die seitdem jährlich herausragende satirische Kurzfilme zeigen und prämieren. Weitere Infos auf  www.ruesselsheimer-filmtage.com

 

Pressekontakt:

Michael Kirchberger

m-kirchberger@gmx.de

 

Postanschrift:

Cinema-Concetta Filmförderung

Postfach 1211

65428 Rüsselsheim

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