Cinema Concetta Filmförderung

29. Rüsselsheimer Filmtage

vom 03.06. bis 04.06.2022

Filmeinreichung bis zum 01.02.2022 unter

https://anmeldung.ruesselsheimer-filmtage.de/

Beton schlägt Blech

 

  • 28. Rüsselsheimer Filmtage: Satire erneut per Stream
  • Schräge Erinnerung an Eduard Zimmermann alias Ganoven-Ede

 

Rüsselsheim, 27. Juni 2021 – Was sonst Hurrikans oder schwere Erdbeben bewirken, erledigen in „BENZTOWN“ rabiat Bestandsimmobilien längs staugeplagter städtischer Routen. Gottfried Mentor gewinnt damit den ersten Preis der 28. Rüsselsheimer Filmtage. In seinem von Animationsszenen durchsetzten Kurzfilm geht es Autos an den Kragen, in denen Rotlichtsünder oder Umweltfrevler et cetera sitzen. Platz zwei ist eine verquere Hommage an Eduard Zimmermann alias Ganoven-Ede mit „Aktenzeichen XY ungelöst“ auf Super-8, und auf Platz drei folgt ein ungleiches Paar mit dem Imperativ „Nicht zu Nah!“. Weil die Filmauswahl der Rüsselsheimer Cinema Concetta Filmförderung aufgrund der Corona-Krise auch in diesem Jahr nicht im Theater der Stadt am Main, sondern in die Wohnzimmer der Freunde des satirischen Kurzfilms gekommen war, haben die Zuschauer als Jury bis zum 24. Juni erneut per Streaming votiert. Das Video der Siegerehrung und die Siegerfilme stehen ab 27. Juni (20:00 Uhr) bis 11. Juli im Netz zur Verfügung.

 

Ganze 4:45 Minuten genügen „BENZTOWN“, die Stadt (das nicht sonderlich getarnte Stuttgart) vom lästigen Automobil zu befreien. Häuser am Straßenrand machen plötzlich dicke Backen wider die Autos, blähen sich in der Animation auf und schaffen die Blechlawine zur Seite. Der moralische Einschlag überwiegt dann, wenn Tunnel die Autos von Rotlichtsündern zermalmen oder Ampelmasten zu Peitschen werden, das Auto erst festsetzen und in Schritt zwei zerquetschen, um es mit den vielen anderen Schicksalsgenossen zum Schrottberg aufzustapeln. Bei der Siegerehrung erhielt Gottfried Mentor als Autor und Regisseur die ein Auge und einen „Scharfen Blick“ symbolisierende massive Bronzeplastik von Michael Kirchberger, Vorsitzender der Stiftung Cinema Concetta, entgegen. Zu der auch als kleiner Oscar des Satirischen Kurzfilms apostrophierten Plastik von Eberhard Malwitz beträgt das zugehörige Preisgeld von 5.000 Euro aus den Erträgen des Stiftungskapitals. Mentor wurde 1981 in Straßburg geboren, wohnt inzwischen in Deutschland. Seit 2004 freiberuflich im Film- und TV-Bereich tätig, machte er 2012 sein Diplom an der Filmakademie Baden-Württemberg mit den Schwerpunkten Regie, Animation, Konzeption.

 

Der zweite Platz, dotiert mit 2.000 Euro, gestiftet von den Stadtwerken Rüsselsheim, ging an Manuel Francescon und Michael Sommermeyerfür ihr schräge Super-8-Version von „Aktenzeichen XY ungelöst“. Weil die Kriminalität wächst, Polizei und Gerichte mit der Entwicklung kaum mehr fertig werden und immer mehr Straftaten unaufgeklärt bleiben, soll eine Schmalfilmreihe für die Filmleinwand die Verbrechensbekämpfung unterstützen. So kommt zum Beispiel im Zusammenhang mit einer in einem Hochbeet entdeckten Leiche ein Polizeibeamter zu Wort, der dringend dazu rät, Probegrabungen in Nachbargärten durchzuführen und sich beim Fund einer Leiche sofort an die örtliche Polizeidienststelle oder direkt an die Soko Humus zu wenden. Francescon ist Filmemacher, Sprecher, Schauspieler und Moderator. Einem breiteren Publikum wurde er unter Anderem bekannt durch seine Mitarbeit als Schauspieler in Pro7 Comedy-Serien wie "Alles in Ordnung - mit dem Wahnsinn auf Streife". Derzeit arbeitet er auch als Dozent an der Akademie Deutsche POP in Frankfurt und lehrt professionelles Sprechen.

 

Kuss trifft FFP2-Maske

 

Schon dominiert von Corona ist „Nicht zu Nah!“ von Luis Sütter auf dem dritten Platz. Ein eher ängstlicher junger Christian trifft beim Wandern in den Bergen die eher sportliche Pauline. Bloß Abstand halten ist offensichtlich sein Motto; wer trägt sonst in der Bergeinsamkeit eine Maske. Weil sich Pauline mitten im Nirgendwo den Fuß verletzt, muss Christian helfen – wäre da nur nicht Corona. Auch Pauline hat´s nicht leicht, denn der Kussversuch der Dame trifft auf die FFP2-Maske des Herrn. Am Ende lösen die beiden ihr Problem. Man kann sich – Rücken an Rücken – auch nahekommen, ohne zu nahe zu kommen. Luis Sütter, Jahrgang 1997, studiert seit 2018 Kino- und Fernsehfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Zuvor schloss er sein Studium in Filmwissenschaft und Audiovisuellem Publizieren an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit dem Bachelor of Arts ab. Dotiert ist der dritte Preis mit 1.000 Euro, gestiftet von der institutionellen Partnerschaft „Stark für Rüsselsheim“.

 

Philipp Engel vom Hessischen Rundfunk führte wieder die Interviews mit den per Videokonferenz zugeschalteten Preisträgern. Michael Kirchberger, Vorsitzender der Cinema Concetta Filmförderung, bedankte sich bei den Sponsoren und Förderern - darunter die Stadt Rüsselsheim am Main und Kultur 123, Hessenfilm, Mobilitätspartner Hyundai mit dem Autozentrum Goeres und den Stadtwerken Rüsselsheim sowie HessenFilm. Nach den guten Erfahrungen mit der notgedrungen im Jahr 2020 entwickelten Streaminglösung setzte man erneut auf die Kooperation mit der Stiftung Kulturserver in Berlin. Die Einschaltquote lag in ähnlicher Höhe wie beim letztjährigen Satire-Film-Onlinefestival. „Mehr kann man sich als Resonanz kaum wünschen“, sagt Kirchberger, „trotzdem hoffen wir, natürlich zu den 29. Rüsselsheimer Filmtagen im nächsten Jahr wieder live im Theater Rüsselsheim am Main begrüßen zu können.“ Das Große Haus des Theaters wird dann Anfang Juni wieder zum Kino mit Großleinwand, am zweiten Tag hat die Party auf dem Vorplatz seit Jahren Volksfestcharakter.

 

Illustre Runde: die bisherigen Sieger beim Festival

 

Bis heute hat die Stiftung über 200.000 Euro an Preisgeldern vergeben, und rund 41.000 Zuschauer haben gut 500 Filme gesehen, darunter solche späterer Oscar- und Bundesfilmpreisträger. Namen wie Thomas Stellmach, Florian Henkel von Donnersmarck, Carsten Strauch oder Dietrich Brüggemann sind zu nennen. Unvergessen freilich bleibt das Ereignis, das zur Gründung des Festivals führte: Martin Kirchberger, Ralf Malwitz und Klaus Stieglitz fanden im Dezember 1991 mit 25 weiteren Mitgliedern ihres Cinema Concetta-Filmteams beim Absturz eines Flugzeugs den Tod, als in der Kabine gerade allerletzte Szenen für die Satire „Bunkerlow“ gedreht wurden. Die Cinema Concetta Filmförderung hält ebenso die Erinnerung an die verunglückten Künstler wach wie sie mit den Rüsselsheimer Filmtagen dem satirischen Kurzfilm neue Geltung und größere Reichweite verschafft.

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Liebe Filmemacher!

 

Das Einreichportal für die 28. Rüsselsheimer Filmtage 2021 ist geschlossen. 

 

Das Einreichportal für die 29. Rüsselsheimer Filmtage 2022 wird ab Mitte November 2021 geöffnet.

 

Ansprechpartnerin Doris Andörfer, foerderverein@ruesselsheimer-filmtage.de

Über die Rüsselsheimer Filmtage:

Die Cinema Concetta Filmförderung wurde am 30. September 1992 als Stiftung des bürgerlichen Rechts gegründet. Anlass war ein Flugzeugunglück vom 22. Dezember 1991 am Hohen Nistler bei Heidelberg, bei dem das Cinema Concetta Filmteam Martin Kirchberger, Ralf Malwitz, Klaus Stieglitz und weitere 25 Passagiere während der Dreharbeiten zu ihrem Film "Bunkerlow" ums Leben kamen. Um das Andenken an die Opfer zu wahren sowie ähnliche Filmarbeiten mit weitestgehend satirischem Inhalt zu fördern, riefen Freunde und Angehörige des Filmteams die Stiftung Cinema Concetta Filmförderung ins Leben. 1994 fanden erstmals die Rüsselsheimer Filmtage statt, die seitdem jährlich herausragende satirische Kurzfilme zeigen und prämieren. Weitere Infos auf  www.ruesselsheimer-filmtage.com

 

Pressekontakt:

Michael Kirchberger

m-kirchberger@gmx.de

 

Postanschrift:

Cinema-Concetta Filmförderung

Postfach 1211

65428 Rüsselsheim

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