Das listige Lächeln

Ich sehe es noch immer ganz deutlich vor mir, obwohl es ja schon so lange her ist, dass ich dies das letzte Mal in aller wunderlichen Wirklichkeit sah. Um genauer zu sein, es war vor über 25 Jahren. Irgendwie hat es sich ja so überaus tief in mein Gedächtnis eingebrannt, dieses offene freundliche Gesicht, dieses Lächeln mit den weit aufgerissenen dunklen Augen hinter der schwarzen dicken Hornbrille. Das listige Lächeln des Martin Kirchberger.

 

Und es taucht auch gar nicht mal wie in einem Traum auf, nein es ist geradezu immer da, ununterbrochen und mitunter durchaus recht deutlich.

 

Dieses so freundlich strahlende Gesicht von Martin Kirchberger ist mir deshalb so vertraut, da es in erster Linie aus diesem so breiten sympathischen Lächeln bestand. Die leuchtenden dunklen Augen und diese so großen strahlend weißen Zähne, das war in der Tat wie ein aufforderndes Fletschen, das damit jedes Mal das so gut durchblutete rosa Zahnfleisch freigelegt hatte. Es war ein Locken, es war eine List, um aus dem Gegenüber etwas herauszuholen. Er hoffte das Entlockte dann wiederum irgendwie in seiner Arbeit unterbringen zu können. Dankbarer Stoff für neue Filme. Und wenn ich mich so erinnere, hatte Klaus Stieglitz genau die gleiche Art zu lächeln, nur etwas weniger fordernd, etwas nobler und smarter zurückhaltend. Ja und richtig, Ralf Malwitz hatte das auch, doch bei ihm war es immer so herrlich genussvoll, geradezu aristokratisch und gleichzeitig entspannt majestätisch genießend.

 

Aber gerade denke ich auch, wir alle in der Cinema Concetta Truppe hatten gerade dieses listig auffordernde Lächeln. Wir waren alle damals sehr daran interessiert unsere Gegenüber damit irgendwie aus der Reserve zu locken. So dass sie uns auch schön bereitwillig ihre Geschichten erzählten. Denn was erschien uns damals denn wirklich schräger als die Wirklichkeit.

 

Diese Geschichten, die „Wunder der Wirklichkeit“ waren für uns der willkommene Ansporn die Filme von damals zu drehen. Dieses Lächeln in uns selbst präsentierten wir gerne offen nach außen und übertrugen dann dankbar die resultierenden Geschichten in unseren Filmen.

 

Gerade auch das ist es, was wohl alle hier zum Festival eingeladenen beteiligten Filmemacher zu diesen 24. Rüsselsheimer Kurzfilmtage vereint. Mit dem eigenen Lächeln, den Zuschauer mit ihren Filmen und mit den implizierten Geschichten zum Lachen zu bringen. Und somit auch den Zuschauer aus der Reserve zu locken und zum Nachdenken zu bringen.

 

Und genau 25 Jahre nach der tragischen Absturzgeschichte bei den Dreharbeiten zu „Bunkerlow“, diesem für das Filmteam so gnadenlosen und schmerzlichen „Zynismus des Schicksals“, wie es Thomas Frickel nannte, entstand nun dessen neuester Dokumentarfilm, der hier auf diesem Festival seine Premiere feiern wird.

 

Vielleicht war alles umsonst, aber wir hatten ein gutes Gefühl“, ist ein Film über dieses listige Lächeln von Cinema Concetta, über Martin Kirchberger und seine Mitstreiter und die Kurzfilme, die in dieser bedauerlicherweise ach so kurzen Zeitspanne entstanden sind.

 

Zudem geht es in diesem Film aber auch gerade über dieses hier so lebendige und frische Festival, den „Rüsselsheimer Kurzfilmtagen“.

 

Mein Dank gilt in erster Linie all den Freunden und Angehörigen die damals nach dem tragischen Unglück dieses Festival für den satirischen Kurzfilm und dessen Preis gegründet und ermöglicht haben. Ein Festival, das ich persönlich über 20 Jahre aus Schmerz über den damaligen großen Verlust einer Filmfamilie und aus Angst vor den Erinnerungen mit einem Besuch wie der Teufel das Weihwasser gemieden habe. Und was nun glücklicherweise durch meine aktuelle Mitarbeit zum Film von Thomas Frickel eine gelungene Aufarbeitung und große Linderung meiner Trauerschmerzen erfahren hat.

 

Insbesondere danke ich hierbei neben all den freiwilligen und ehrenamtlichen Mitarbeitern und Organisatoren ganz besonders Michael Kirchberger. Er, der in seiner so großzügigen und wohltuenden Art mit seinem listigen Lächeln all diese hoffnungsvollen Filmemacher, die so gerne immer wieder dieses Festival besuchen, so begeistert aufnimmt und ein Stück weit auf deren Weg überaus liebevoll und professionell begleitet. Und ich hoffe sehr, dass er noch ganz lange diese Kraft und Energie aufbringen kann und dass er die tolle Unterstützung durch all die Mitarbeiter der Stiftung weiterhin erfährt, um dieses Festival zu dem zu machen, was es ist: ein Festival des listigen Lächelns, ein herzliches Festival über die „Wunder der Wirklichkeit“.

 

Möge dieses Lächeln immer wieder neu entstehen und in würdiger Erinnerung an CINEMA CONCETTA von der Kinoleinwand strahlen, damit wir dies gemeinsam als Zuschauer genießen dürfen. Darauf freue ich mich nun gemeinsam mit all den Besuchern der 24. Rüsselsheimer Kurzfilmtage 2017 sehr.

 

Voxi Bärenklau,

ein ehemaliger CINEMA CONCETTA Mitstreiter

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